Tony Cliff

 

Lenin 1

 

2. Vom marxistischen Studienzirkel zum Arbeitskampf

Am 31. August 1893 kam Wladimir Uljanow in St. Petersburg an. Im Herbst desselben Jahres trat er einem marxistischen Zirkel aus Studenten von Technologischen Institut (G.M. Krschischanowski, S.I. Radtschenko, W.W. Starkow, G.B. Krasin u.a.) bei. Wie gesehen, hatte die Polizei im Frühjahr 1892 viele Mitglieder der Brusnew-Gruppe in St. Petersburg verhaftet. Eine Anzahl der Arbeitermitglieder der Gruppe blieben jedoch frei und eine ziemlich Lose und informelle Arbeiterorganisation bestand weiter. Sie bestand hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich, aus Arbeitern, deren Hauptanliegen das Studium war. Arbeiter, die den Zirkeln (kruschki) beitraten, zeigten einen unstillbaren Durst nach Wissen.

Plechanow beschrieb die Art Arbeiter, der diesen Studienzirkeln beitrat:

Nachdem sie in der Fabrik 10-11 Stunden pro Tag arbeiten und erst am Abend nach hause zurückkehren, saß er mit seinen Büchern bis 1.00 Uhr früh ... Ich wurde beeindruckt durch die Vielfalt und die Fülle der theoretischen Fragen, die ihn beschäftigten ... Politische Ökonomie, Chemie, soziale Fragen und die Theorie von Darwin nahmen seine Zeit in Anspruch ... Es hätte Jahrzehnte gedauert, um seine intellektuelle Durst zu löschen. [1]

Als ich die Arbeiter selbst fragte, was genau sie von revolutionären Schriften wollten, traf ich auf äußerst unterschiedliche antworten. In den meisten Fällen wollte jeder eine Lösung zu denjenigen Problemen, die aus irgendwelchem Grund von besonderem Interesse für meinen einzelnen Anhörer zu jener bestimmten Zeit. Im Kopf der Arbeiter steigerten solche Probleme enorm und jeder hatte seine Lieblingsfragen je nach seiner eigenen Neigungen und Charakter. Einer war besonders am Problem von Gott interessiert und behauptete, daß revolutionäre Literatur ihre Energien hauptsächlich für die Zerstörung der religiösen Glauben der Menschen benutzen sollte. Andere waren an historischen oder politischen Fragen interessiert oder an den Naturwissenschaften. Unter meinen Bekannten in den Fabriken gab es auch einen, der besonders an der Frauenfrage interessiert war. [2]

Die Führer eines jüdischen sozialistischen Arbeiterstudienzirkels versuchten, die Arbeiter über eine sehr breite Palette von Themen aufzuklären. So lehrte Leon Bernshtein in Wilnius seine Schüler, „wie die Welt geschaffen wurde, die Sonne und die Erde, die Seen und die Vulkanen“, und hielt auch Vorträge über „das Leben der Menschen, wo er mit den wilden Stämmen anfing und mit den Engländern mit ihrem Parlament und ihren Gewerkschaften endete“. In einem anderen Zirkel „waren unter den diskutierten Themen die Entstehung der gesellschaftlichen Klassen Sklaventum, Leibeigenschaft und Kapitalismus. Zirkelmitglieder studierten Darwin und Mill und lasen die Meisterwerke der russischen Literatur.“ [3]

Ein Historiker der russischen Arbeiterbewegung jener Periode schrieb folgendermaßen:

Diese Arbeiter erkannten in der Lese- und Schreibfertigkeit und in der Aufklärung einen Ausweg aus ihrer hoffnungslosen gesellschaftlichen Lage, und deshalb nutzten sie die Möglichkeiten, die von den kruschki Geboten wurden. Eine Anzahl der scharfsinnigeren Arbeiter meisterten nicht nur die grundsätzlichen Elemente des Wissens, sondern zeigten ein leidenschaftliches Interesse an der „Wissenschaft“ und an einem wissenschaftlichen Verständnis ihrer Umwelt. [4]

Ein Arbeiter, der zu seinen Genossen bei einer geheimen Feier zum 1. Mai 1891, faßte lebendig die vorherrschende Einstellung unter den Mitgliedern eines Studienzirkels zusammen:

Zu diesem Zeitpunkt besteht die einzige Sache, die wir machen können, darin, uns der Ausbildung und der Organisation der Arbeiter zu widmen – Eier Aufgabe, die, hoffe ich, wir ohne Rücksicht auf die Drohungen und Hindernisse, die von unserer Regierung erhoben werden, durchführen werden. Um zu versichern, daß unsere Anstrengungen fruchtbar sein werden, müssen wir unseres besten machen, um uns selbst und andere intellektuell und moralisch auszubilden; wir müssen darauf so energisch wie möglich arbeiten, so daß die Menschen um uns uns als intelligente, ehrliche und mutige Menschen betrachten, größeres Vertrauen in uns haben und uns als Beispiel für sich und für andere nehmen werden. [5]

In der Praxis verließen sich die kruschki auf der friedlichen Verteilung von marxistischen Ideen, um den Fortschritt der Revolution zu fördern.

Die Zirkel sollten Schulen des Sozialismus sein, aber manchmal betrachtete die Arbeiter sie bloß als Schulen, setzten ihre ganzen Hoffnungen in die Macht der Gelehrsamkeit und schenkten den revolutionären Lehren wenig Aufmerksamkeit. Diese Haltung wurde von einem Arbeiter aus Wilnius gut ausgedrückt, der 1892 erklärte: „Wie eine treue Mutter wir das Wissen uns friedlich über die See der Ängste und des Leidens zum Land des Lebens führen.“ [6]

Ihre Perspektiven waren undeutlich, die Aussicht von P.N. Skwortsow war typisch. Er war einer der frühesten russischen Marxisten und Gründer der ersten marxistischen Zirkel in Nischni Nowgorod. Sein Schüler, Mitskewitsch, beschreibt seine Haltung so:

Wir hatten lange Gespräche über die Zukunft der Arbeiterbewegung, Wie abstrakt wir uns immer noch die Zukunft vorstellten, wir durch die von Skwortsow skizzierten Perspektiven gezeigt: Allmählich wird die Zahl der Arbeiter, die Marx studieren, steigen; sie werden noch mehr Arbeiter in die Zirkel, die Marx studieren, einziehen. Mit der Zeit wird ganz Rußland von solchen kruschki gedeckt und dann werden wir eine Arbeiterpartei gründen. Welche Aufgaben diese Partei durchführen sollte und wie sie ihren Kampf führen sollte, blieb unklar. [7]

Die offizielle Satzung der sozialdemokratischen „Arbeiterunion“ in Iwanowo-Wosnesensk definierte ihre Mitglieder als „kritisch denkende Individuen, die versuchen, fortschritt in der Menschheit zu verwirklichen“ und erklärte, daß ihr Hauptziel „Propaganda unter den kultivierteren Arbeiter beider Geschlechter“ sei. [8]

Schlimmer als das, wurden viele Zirkelmitglieder von ihren Kollegen [Mitarbeitern] entfremdet. „Als Ergebnis der verlängerten Vertrautseins mit der intellektuellen Ernährung der sozialistischen Welt ließen sich viele Arbeiter in ihren Ansichten und in ihrer Gelehrsamkeit kaum von der Intelligenz unterscheiden.“ [9]

Die „fortgeschrittenen“ Arbeiter, die zum großen Teil aus den Lehrberufen kamen, waren fast so entfremdet von den durchschnittlichen Arbeitern wie die Intelligenz. Sie sprachen eine kultiviertere Sprache als ihre Kollegen, waren stolz auf ihr Buchwissen, und bekleideten sich noch wählerischer als die demokratisch gesinnten intelligenti. Da viele von ihnen sich vom Rauschen, Trinken und Schimpfen enthielten, wurden sie gelegentlich für Paschkowiten [eine Sekte die sich mit Bibeltraktaten beschäftigte] und wurden zu Zielscheiben des Spottes ihrer Kollegen. Noch alarmiender, sie neigten dazu, sich von Streiks und anderen Formen des elementaren Protests, die immer häufiger wurden, fernzuhalten. [10]

Die Arbeiter in den Zirkeln, wie von Martow beschrieben,

betrachteten sich als Individuen, die aus einer rückständigen Menge hervortraten und eine neue kulturelle Umgebung schafften. Das [Haupt]-Problem dabei, war, daß, diese Aussicht vorausgesetzt, sie den ganzen Prozeß des künftigen Aufstiegs ihrer Klasse in einer übervereinfachten rationalistischen Weise zu betrachten: Sie glaubten, er würde durch die Verbreitung jenes Wissens und jener neuen moralischen Begriffe stattfinden, die sie sich selbst in den Zirkeln und vom Lesen angeeignet hatten. Argumente mit ihnen führte zur erstaunlichen Entdeckung, das ihre ganze soziale Denkweise idealistisch war, daß ihr Sozialismus durch und durch abstrakt und utopisch wahr, und die Vorstellung, daß man den Klassenkampf anwenden sollte, um die unkultivierte Umgebung selbst zu verwandeln, gegen die ihre soziale Erweckung in Protest stattgefunden war, war ihnen immer noch absolut fremd. [11]

Einige Arbeiter eigneten sich „eine Art herablassender, überheblicher Haltung gegenüber den Massen [an], die, könnte man sagen, nicht als Menschen betrachtete, die die Lehren des Sozialismus verdient hatte“. Die Zirkel waren für viele bloß „eine Weise, wie man sich Wissen aneignen und persönlich der düsteren Stimmung entkommen könnte, worin die werktätigen Massen lebten“. [12]

 

 

Die Wende zur Agitation

Die Hungersnot von 1891 führte Plechanow zum Versuch, egal wie erfolglos, einen neuen Kapitel der marxistischen Bewegung anzufangen: von der Zirkelarbeit zur Massenagitation zu wechseln. In seiner Broschüre Über die Aufgaben von Sozialisten während der Hungersnot in Rußland argumentierte er, daß die Marxisten ihre Arbeit unter dem Proletariat auf zwei Ebenen führen sollte – „Propaganda“ und „Agitation“. „Eine Sekte“, erklärte er, „kann Jet Propaganda im engen Sinne des Wortes zufrieden sein: eine politische Partei nie ... Ein Propagandist gibt viele Ideen einem bzw. wenigen Menschen, während ein Agitator gibt nur eine bzw. nur wenige Ideen Massen von Menschen ... Trotzdem wird die Geschichte von den Massen gemacht.“ [13]

Kurz gesagt, statt sich auf der „Organisierung von sozialistischen Arbeiterzirkeln“ zu beschränken, sollte die Revolutionäre versuchen, sich nach außen zu wenden und Unzufriedenheit unter den Massen auf der Basis von politischen bzw. „ökonomischen“ Parolen wie der Forderung des Achtstundentags zu erwecken. Forderungen dieser Art würden alle Arbeiter zur sozialistischen Bewegung anziehen. „So werden alle – auch die rückständigsten – Arbeiter deutlich davon überzeugt, daß die Durchführung von mindestens einigen sozialistischen Maßnahmen der Arbeiterklasse wert ist ... Solche ökonomischen Reformen wie die Kürzung des Arbeitstages sind gut, wenn nur deswegen, weil sie den Arbeitern unmittelbare Vorzüge bringen.“ Es sei die Pflicht der Partei, „ökonomische Forderungen zu formulieren, die dem aktuellen Augenblick [Zeitpunkt] angemessen [passend] sind.“ [14]

Plechanows Aufruf fand keinen Widerhall unter den russischen Arbeitern. Es gab aber eine Reaktion von jüdischen Arbeitern, die im westlichen Teil des russischen Reichs, in Polen wohnten. Im allgemeinen war die sozialistische Bewegung in Polen der in Rußland weit voraus. Wie der sowjetische Historiker S.N. Walk es ausdrückte: „Die sozialistische Bewegung in Polen war von Anfang an eine Arbeiterbewegung sowie eine Massenbewegung, ganz im Gegenteil zur russischen revolutionär-sozialistischen Bewegung, wo der Ton von der Intelligenz und von den Zirkeln verliehen wurde.“ [15] In Mai 1891 gab es eine Streikwelle in vielen polnischen Städten, die im folgenden Jahr mit einem Generalstreik in Lodz gipfelte.

Noch erfolgreicher bei der Organisierung von Agitation waren jüdische Sozialisten. In Regionen, wo die jüdische Bevölkerung ziemlich groß war, wurden Streiks sehr häufig und erreichten einen Höhepunkt 1895 in einem Textilstreik in Bialystok, an dem bis zu 15.000 Arbeiter sich beteiligten. In der Tat, was gewerkschaftliche Organisation betraf, waren jüdische Arbeiter den russischen Arbeitern weit voraus. Während so spät wie 1907 nur 7 Prozent der Petersburger Arbeiter in Gewerkschaften organisiert waren [16], waren in Bialystok 20 Prozent der jüdischen Arbeiter in Gewerkschaften organisiert, in Wilnius 24 Prozent, in Gomel 40 Prozent und in Minsk 25-40 Prozent. [17]

Es überrascht deshalb nicht, daß Plechanows Aufruf zur Agitation unter den Arbeitern zuallererst von den Jüdischen Sozialisten aufgenommen wurde, die sich später zum Jüdischen Bund organisierten. 1894 schrieb A. Kremer, ein führendes Mitglied der jüdischen sozialistischen Organisation, eine Broschüre Ob Agitatsij (Über Agitation) in Zusammenarbeit mit Martow. Ob Agitatsij verurteilte scharf die Beschäftigung der Mitglieder der marxistischen Zirkel mit der eigenen „Selbstvervollkommnung“. „Gerade die Arbeitersozialdemokraten unterstützen zum großen Teil genau jene Beschäftigung (Zirkelpropaganda), die wir als nutzlos verurteilen.“ In einem Rückschau auf die Errungenschaften der krushkowschtschina argumentierte die Broschüre, daß „nur die überlegenen, fähigeren Arbeiter haben so theoretisches Wissen bekommen, das sie in einer sehr oberflächlichen Weise mit dem wirklichen Leben und den umgebenden Bedingungen in Verbindung bringen ... das Streben der Arbeiter nach Wissen, nach einer Flucht aus dem Finsternis wurde zum Zweck ausgebeutet, ihnen die Verallgemeinerungen und die Sätze des wissenschaftlichen Sozialismus anzudrehen.“ [18]

Die Aufgebe bestehe nicht darin, Arbeiterintellektuelle zu schaffen, die von der Arbeiterklasse entfremdet seien, sondern Agitatoren auszubilden. Die Masse der Arbeiter könne man nicht zum Sozialismus durch abstrakte intellektuelle Tätigkeit ausbilden. „Die breiten Massen werden nicht durch intellektuelle Überlegungen in den Kampf einbezogen, sondern durch den objektiven Verlauf der Ereignisse.“ [19]

Der [ökonomische] Kampf ... lehrt dem Arbeiter, sich für die eigenen Interessen stark zu machen, er richte seine Mut auf, er gibt ihm Selbstvertrauen über die eigene Stärke und Bewußtsein von der Notwendigkeit der Einheit, er stellt ihn vor wichtigere Aufgaben, die eine Lösung fordern. So auf einem ernsthafteren Kampf vorbereitet, beginnt die Arbeiterklasse, sich mit diesen lebenswichtigen Fragen zu beschäftigen. Diese bewußtere Form des Klassenkampfs schafft den Boden für politische Agitation, deren Ziel darin besteht, die bestehenden politischen Bedingungen zugunsten der Arbeiterklasse zu ändern. Das weitere Programm der Sozialdemokratie wird offenkundig. [20]

Um die unbedeutende Frage zu ergreifen, die dazu fähig ist, die Arbeiter zum Kampf aufzumuntern, ist es notwendig zu verstehen, welche Mißbräuche am leichtesten die Interessen der Arbeiter erregen, das günstigste Moment für den Anfang zu wählen, zu wissen, welche Kampfmethoden unter den gegeben Bedingungen der Zeit und des Orts am wirksamsten sind. Solches wissen erfordert, daß der Agitator in ständiger Verbindung mit den werktätigen Massen steht, daß er ständig die Entwicklungen in einer gegebenen Industriebranche verfolgt. In jeder Fabrik gibt es zahllose Mißbräuche und der Arbeiter ist vielleicht an den belanglosesten Details interessiert; zu erkennen, genau wann man eine bestimmte Forderung vorbringen sollte, vorzeitig über mögliche Komplikationen zu wissen – das ist die wirkliche Aufgabe des Agitators ... Wissen über die Lebensbedingungen, Wissen über die Gefühle der Massen ... werden hinzu ihrem natürlichen Führer machen. [21]

Die Rolle der Sozialisten als Führer der Masse wurde folgendermaßen definiert:

Die Aufgabe der Sozialdemokraten besteht in der ständigen Agitation unter Fabrikarbeitern auf der Basis ihrer alltäglichen Bedürfnisse und Forderungen ... Es versteht sich, daß die sozialdemokratischen Ansichten des Agitators den Weg bestimmen wird, entlang den er die Menge führen wird. Er muß immer den Massen ein Schritt im voraus sein, er muß für sie ihren Kampf erleuchten, ihnen von einem allgemeineren Standpunkt die Unversöhnlichkeit ihrer Interessen [mit denen der Unternehmer] erklären und dadurch muß er die Horizonte der Massen erweitern. [22]

Ob Agitatsij hatte eine mechanische Theorie vom Verhältnis zwischen dem industriellen Kampf, dem Kampf gegen die Unternehmer, und dem politischen Kampf gegen den Zarismus, die auf dem Begriff von „Etappen“ beruhte. In späteren Jahren Wurde diese zum theoretischen Fundament für die Entwicklung des „Ökonomismus“, der von Lenin so hart verurteilt wurde. So erklärte die Broschüre:

Indem sie sich vorläufig davon enthielt, den Massen vor breiteren Aufgaben zu stellen, sollte die Sozialdemokratie es der Erfahrung des Kampfes selbst überlassen, um die Arbeiter nicht mehr mit einzelnen Unternehmern zu konfrontieren, sondern mit der gesamten Bourgeoisklasse und mit der herrschenden Macht, die dahinter stand, und auf der Basis dieser Erfahrung ihre Agitation zu verbreitern und zu vertiefen. [23]

Die erste Reaktion der Mitglieder der Zirkel auf Ob agitatsij war in vielen Fällen sehr feindselig. Martow berichtet, daß Vertreter aus sozialdemokratischen Zirkeln in Kiew und Charkow Wilnius besuchten und argumentierten gegen die Aufnahme der Agitation. Einer von denen argumentierte, daß sie einen „Verstoß gegen das System der strengen Konspiration“ bilden würde, „dessen Aufbau Jahre gebraucht hätte und von dem das ganze Gebäude der Zirkelpropaganda abhänge“. Ein anderer protestierte, daß die Agitation „nur die Oberfläche des proletarischen Bewußtseins berühre, während die wirkliche Aufgabe der Sozialdemokratie darin bestehe, ‚ein klassenbewußte Arbeiteravantgarde‘ auszubilden, womit sie ‚ausgewogene, ausgebildete Arbeitermarxisten‘ verstünden.“ [24] Akimow, ein früher Chronist der Bewegung, zitierte einen Arbeiter, ein Mitglied eines marxistischen Zirkels, der sagte: „Flugblätter sind eine Zeitverschwendung. Was kann man in einem einzelnen Flugblatt erklären? Man soll dem Arbeiter ein Buch geben, nicht ein Flugblatt. Man muß ihn lehren. Man muß ihn in einen Zirkel einbeziehen!“ [25]

Ein Genosse aus Kiew erzählte:

Ich besuchte eine Arbeiterin und fand sie in Tränen. Ich fragte sie, was los sei, und sie sagte, daß einige Freunde, ehemalige Mitglieder eines Arbeiterzirkels, sie besucht und sie verspottet hätten, weil sie sich erlaubte, zu predigen, ohne daß sie selber eine Ausbildung in einem Zirkel zu erfahren: „Sie haben Sie anscheinend zu einer lasche sozialdemokratische Agitatorin verwandelt, nicht wahr? Sie sollen selbst etwas studieren, bevor Sie lehren!“ [26]

Ein Arbeiter, Abram Gordon, erinnerte in einer Broschüre mit dem Titel Brief an die Intellektuellen die sozialdemokratischen Intellektuellen an ihrer Pflicht, die Arbeiter eher zu dienen, als sie als „Kanonenfutter der Revolution“ auszunutzen. Er prangerte die Agitation an als einen weiteren Versuch, die Arbeiter in einem Zustand der Halbunwissenheit zu halten und ihre Abhängigkeit von intellektuellen Führern bürgerlicher Herkunft zu erhalten. [27]

Akimow kritisierte diese Haltung und sagte, daß solche Arbeiter

die tiefgehende Bedeutung die Änderung der Taktik nicht zu verstehen vermochten. Ihnen schien es, daß die Aufgabe der Propagandatätigkeit in Arbeiterzirkeln bedeutete, daß die intelligenti ihre kulturelle rolle aufgaben, daß sie suchten, die unbewußte elementare Bewegung der Massen auszunutzen und die Arbeiter bloß als „Kanonenfutter“ betrachteten. In der Tat bewiesen sich die Arbeiter, die den Zirkeln angehörten, als weniger demokratisch als die Revolutionäre, die aus der Intelligenz herkamen. Sie fühlten sich den Massen überlegen und wurden durch das Erscheinen von unwissenden Arbeitern bei den Versammlungen irritiert. Als Ergebnis davon zogen sich ganze Berufe aus der Bewegung zurück, einschließlich den Druckern, die bislang Schrittmacher gewesen waren. [28]

Viele Arbeitermitglieder der Zirkel „betrachteten die autodidaktische Tätigkeit im edelsten Sinne des Wortes als das A und O der sozialistischen Bewegung und fanden die Vorstellung unerträglich, daß, statt sich zu ‚kritisch denkenden Persönlichkeiten‘ zu machen, sie Menschen mit agitatorischen Talenten auswählen und mit einem Mindestmaß an Wissen ausrüsten sollten, das notwendig wäre, um die Massen zu beeinflussen“. [29]

Trotz der starken Opposition von innerhalb der Zirkel schlug die Agitation Wurzeln und schob die kruschkowschtschina beiseite. April 1894 erreichte ein Exemplar von Ob Agitatsij Moskau, wo es mit einem Hektograph kopiert wurde und an andere sozialdemokratische Gruppen überall in Rußland geschickt wurde. 1896 wurde die Broschüre im Ausland in Genf von der Gruppe Befreiung der Arbeit mit einem Vorwort von Axelrod gedruckt und wurde weit und breit verteilt.

 

 

Plechanow besteht die Prüfung nicht

Der Übergang zur Agitation gelang nicht einem großen Anteil, vielleicht einer Mehrheit, der Arbeitermitglieder der Zirkel. Aber obwohl Plechanow gerade derjenige war, der 1891 die Notwendigkeit der Wende zur Agitation argumentiert hatte, wurden er und seine Gruppe Befreiung der Arbeit für unzureichend befunden, als es um die Praxis ging.

So früh wie 1892 besuchte A. Woden, ein gebildeter junger Marxist aus St. Petersburg, Plechanow, um ihm eine Bitte von der Gruppe Brussnew nach populäre Literatur für Arbeiter zu übergeben. Plechanow bemerkte bissig, daß offensichtlich es diesen jungen praktiki „den Wunsch fehlten, wie Marxisten denken zu lernen“, und es schien Woden, daß er „mit einer über lange Zeit akkumulierte Verärgerung“ sprach. [30] Es gab in den Jahren bis 1895 nicht weniger als sechs solche Missionen, die alle in unlösbaren Konflikte endeten. Plechanow Ehefrau, Rosalija Markowna, beschrieb seinen Ärger über die „Unkultiviertheit, Grobheit und Anmaßung ... dieser verschiedenen Provinz-Lassalles“, die, mit seinen Worten, „kamen, um mit uns Schulter zu messen“. [31]

1897 wurde Tuchapski, ein Marxist aus Kiew, in die Schweiz geschickt, um Plechanow und Axelrod zu bitten, eine Reihe von populären Propagandabroschüren für russische Arbeiter zu veröffentlichen. Die Bitte wurde sofort abgelehnt mit der Begründung, daß sie keine Zeit für solche Aufgaben hätten. [32]

Es stimmt, daß ein Jahr früher Plechanows Gruppe damit einverstanden waren, eine Zeitschrift, Listok Rabotnika (Die Arbeiterbeilage) zu veröffentlichen, die hauptsächlich Nachrichten über die Arbeiterbewegung und industrielle Unruhen in Rußland gewidmet werden sollte. Plechanow selbst hatte aber abgelehnt, daran mitzuarbeiten, und Vera Sassulitsch und Axelrod nahmen es offensichtlich übel, daß sie die Aufgabe unternehmen mußten. In einem Ende 1896 geschriebenen Brief beschwerte sich Vera Sassulitsch, daß sie „anfing, sich zu sträuben“, als sie „die hoffnungslosen unglaublichen Phrasen“ der Artikel sah, die für die Listok Rabotnika überreicht wurden. [33] Axelrod schrieb: „Natürlich ist es möglich, solche literarischen Karikaturen ohne mich zu veröffentlichen.“ [34] zwei Jahre später schrieb er an Plechanow, er und Vera Sassulitsch wollten „unbedingt der Pflicht entkommen, ungebildete und halbgebildete Veröffentlichungen zu redigieren“. [35]

Der Mangel an Begeisterung für die Veröffentlichung von populärer Arbeiterliteratur machte sicher, daß weit über sechs Monate zwischen der Entscheidung, zu veröffentlichen, und der erste Erscheinung der Listok Rabotnika verliefen und daß nur eine Ausgabe zwischen November 1896 und November 1897 erschien!

Die Kluft zwischen der theoretischen Unterstützung der Gruppe Befreiung der Arbeit für eine Wende zur Massenagitation und seiner Unbereitwilligkeit, diese in der Praxis durchzuführen, läßt sich durch den Mangel an unmittelbaren revolutionären Aussichten während der 1880er Jahre und Anfang der 1890er Jahre erklären, der Periode, während deren die Gruppe gebildet wurde. Vera Sassulitsch deutete offen auf die Kluft zwischen der Gruppe und den neu heranwachsenden Agitatoren in Rußland hin. Sie schrieb an Plechanow: „Ist es Ihnen nicht klar, daß wir nicht mit dieser Art Menschen in einer Organisation arbeiten können? Und nicht deshalb, weil er schlecht ist! Es ist einfach ein Unterschied im alter, im Verständnis und in der Stimmung.“ [36] einige Wochen später schrieb sie wieder:

Gegen uns ist praktisch die gesamte jüngere Emigration im Bund mit denjenigen Elementen der Studenten, die schon gehandelt haben und sich darauf vorbereiten, ernst zu handeln. Sie sind voller Energie, fühlen, daß Rußland hinter sich ist ... Wir können nicht die Funktion des Bundes erfüllen, eine Arbeiterliteratur zu schaffen ... Wir können nicht eine Literatur für die Arbeiter veröffentlichen, die die Forderungen der Russen befriedigen würde. Und es scheint allen, daß wir diejenigen behindern, die es können ... Sie werden auch nicht ihr Ideal erringen, aber sie besitzen ein solches Ideal und wir nicht. Sie dürsten nach Aktivität jener Art, aber nicht unter unserer Leitung.

Ich bin für ein einfaches Bekenntnis, daß wir selbst die Ergebnisse unserer Redaktionsarbeit bei der Arbeiterliteratur nicht glänzend [großartig] halten und daß wir unseren Kritikern die Möglichkeit geben, es selbst zu versuchen. [37]

 

 

Lenin als Fabrikagitator

Lenin paßte sich vollkommen den Bedürfnissen der industriellen Agitation an. Ferner, egal was die offiziellen Biographen sagen sollten, besteht die Wahrheit darin, daß während der Jahre 1894-96 er Ob Agitatsij nicht als einseitig, mechanisch und „ökonomistisch“ anprangerte. Seine Schriften aus dieser Periode entsprechen genau der Linie, die sie darstellte.

Während seines Gefängnisaufenthaltes 1895 schrieb er einen Programmentwurf für die Sozialdemokraten. Das Dokument wurde aus dem Gefängnis geschmuggelt, wurde aber dann verloren und erst nach der Revolution wieder entdeckt. Er ist eine interessante Arbeit, die sehr deutlich Lenins Ansichten über Ob Agitatsij zusammenfaßt. Er schrieb:

In diesem Übergang der Arbeiter zum unentwegten Kampf für ihre dringenden Forderungen, zum Kampf für Zugeständnisse, für bessere Lebensbedingungen, höheren Lohn und kürzeren Arbeitstag, wie er jetzt überall in Rußland begonnen hat, besteht der gewaltige Schritt vorwärts, den die russischen Arbeiter getan haben, und auf diesen Kampf, auf die Unterstützung dieses Kampfes muß daher die Hauptaufmerksamkeit [meine Hervorhebung – T.C.] der Sozialdemokratischen Partei und aller klassenbewußten Arbeiter gelenkt werden. [38]

Dieser ökonomische Kampf, argumentierte Lenin, zeige dem Arbeiter erstens die Natur der ökonomischen Ausbeutung; zweitens durchdringe er ihn mit einem kämpferischen Geist und drittens entwickele er sein politisches Bewußtsein. Klassenbewußtsein, einschließlich dem politischen Bewußtsein, entwickele automatisch aus dem ökonomischen Kampf.

Das Klassenbewußtsein der Arbeiter bedeute, daß die Arbeiter verstehen, daß die einzige Weise, wie sie ihre Bedingungen verbessern und ihre Befreiung erringen können, darin besteh, einen Kampf gegen die Kapitalisten- und Fabrikbesitzerklasse zu führen, die von den großen Fabriken geschaffen wurde. Ferner bedeute das Klassenbewußtsein der Arbeiter, daß sie verstehen, daß die Interessen aller Arbeiter eines bestimmten Landes identisch seien, daß sie alle eine Klasse bilden, getrennt von allen anderen Klassen in der Gesellschaft. Schließlich bedeute es, daß die Arbeiter verstehen, daß sie zusammenarbeiten müssen, um die Staatsangelegenheiten zu beeinflussen, genau wie die Gutsbesitzer und die Kapitalisten es gemacht haben und es weiter machen.

Wie können die Arbeiter dazu gelangen, alles das zu begreifen? Die Arbeiter können das, wenn sie fortwährend aus den Erfahrungen eben des Kämpfers schöpfen, den sie gegen die Fabrikanten zu führen beginnen und der sich immer mehr entfaltet, immer erbitterter wird und in dem Maße, wie die großen Fabriken und Werke entstehen, eine immer größere Anzahl von Arbeitern umfaßt ...

Die Masse des arbeitenden Volkes ist durch ihre ganzen Lebensbedingungen versetzt, in der sie weder Zeit noch Möglichkeit hat, über irgendwelche Staatsprobleme nachzudenken. Aber der Kampf gegen die Fabrikanten für ihre dringendsten Forderungen führt die Arbeiter ganz von selbst und vermeidlich an staatliche und politische Probleme heran, läßt sie fragen, wie der russische Staat regiert wird, wie Gesetzte und Bestimmungen erlassen werden und wessen Interessen sie dienen. Jeder Konflikt in einer Fabrik führt notwendig dazu, daß die Arbeiter mit den Gesetzen und mit den Vertretern der Staatsmacht in Konflikt kommen. [39]

Lenin verfolgte diesen Gedankengang konsequent in den agitatorischen Flugblättern und Broschüren, die er während 1894–96 schrieb. Schritt für Schritt wurde der Leser zur politischen Schlußfolgerungen geführt, die aber nicht explizit geäußert wurden. So z.B. erklärte die Schlußfolgerung der 1895 im Gefängnis geschriebenen Broschüre Erklärung des Gesetzes über auf Fabrikarbeiter auferlegte Bußgelder, die Arbeiter

werden begriffen, daß die Regierung und ihre Beamten mit den Fabrikanten zusammenhalten und daß die Gesetze so abgefaßt werden, daß sie es dem Unternehmer erleichtern, die Arbeiter auszupressen ... Haben die Arbeiter das begriffen, so werden sie sehen, daß ihnen nur ein Mittel bleibt, um sich zu schützen: sich zusammenzuschließen zum Kampf gegen die Fabrikanten und gegen die ungerechten Zustände, die das Gesetz geschaffen hat. [40]

Zu jenem Zeitpunkt war der Ton seiner Forderungen ziemlich zurückhaltend. So z.B. konzentrierte sich sein Flugblatt „Der Arbeiter und die Arbeiterin der Thornton-Fabrik“ ausschließlich auf ökonomische Fragen und machte keine Hinweise auf die Politik. Es endete mit sehr gemäßigter Sprache: „Wenn wir diese Forderungen vertreten, Kollegen, so ist das durchaus kein Aufruhr, wir verlangen nur das, was alle Arbeiter anderer Fabriken nach dem Gesetz schon bekommen und was man uns entzieht, nur weil man hofft, daß wir unfähig sind, unsere Rechte zu verteidigen.“ [41]

November 1895 mahnte Lenin in einem Artikel mit dem Titel „Worüber denken unsere Minister?“ die Zweckmäßigkeit, den Zaren aus dem Argument herauszulassen und statt dessen über die neuen Gesetze zu reden, die die Unternehmer begünstigten, und über Kabinettminister, die arbeiterfeindlich seien. Der Monarch sein für die Arbeiter und Bauern immer noch „Das kleine Väterchen“, und Lenins Schwester Anna zitiert ihn folgendermaßen: „Selbstverständlich, wenn man von Anfang an gegen den Zaren und das bestehende Gesellschaftssystem redet, wird man bloß die Arbeiter vor den Kopf stoßen.“ [42]

Gegen Ende 1894 trafen Lenin und G.M. Krschischanowski mit Greshin-Kopelson, Nikitin-Sponti und Ijachowski, die damals in den marxistischen Gruppen von Wilnius, Moskau bzw. Kiew arbeiteten, die aber alle Erfahrung vom Vilniuser Streikbewegung aus erster Hand hatten. Das Treffen akzeptierte die grundsätzliche These von Ob Agitatsij. Nach diesem Treffen in 1895 gründeten Lenin, Martow, Krschischanowski und andere den St. Petersburger Kampfbund für die Befreiung der Arbeiterklasse. Der Bund bestand aus etwa zwei Dutzend Intellektuellen und Arbeitern und spielte eine absolut wichtige Rolle bei der Einführung der sozialdemokratischen Agitation in die St. Petersburger Arbeiterklasse. Ab seiner Gründung hörte der Marxismus nie auf, in Verbindung mit den St. Petersburger Arbeitern zu stehen. Martow und Lenin waren die anerkannten Führer des Bundes und seine Haupttätigkeit bestand darin, Fabrikflugblätter auszugeben. Bei der Vorbereitung dieser Flugblätter bekam Lenin große Hilfe von Nadeshda Konstantinowna Krupskaja, der jungen Frau, die er 1894 kennenlernte und einige Jahre später heiratete.

Krupskaja war 1890 dem marxistischen Zirkel von Brunew beigetreten und fünf Jahre lang (1891-96) lehrte sie bei der sogenannten „Sonntagabendsschule“ in den industriellen Vororten von St. Petersburg. Sonntags und zwei Abende pro Woche lehrte sie Arbeitern Rechnen, Geschichte und russische Literatur vom Niveau des Analphabetentums zu einem ziemlich hohen Niveau. Die Schule lieferte Kontakt mit ernsthaften Arbeitern, was für die junge Krupskaja und die anderen marxistischen Lehrerinnen in derselben Schule der Anreiz war. Diese waren Alexandra Kalmykowa, eine wohlhabende Verlegerin und Besitzerin eines beliebten Buchladens, die in späteren Jahren die Iskra, Lenins erste Zeitung in der Emigration, finanzierte; Lidia Knipowitsch, die als eine der Agenten derselben Zeitung im Untergrund dienen sollte; und auch Helena Stassowa, die 1917 Krupskaja als Parteisekretär ersetzen sollte. Die marxistischen Lehrerinnen in der Schule bildeten eine Untergrundzirkel, um ihre Aktivitäten zu koordinieren.

Die Arbeiter brachten den „Lehrerinnen“ unbegrenztes Vertrauen. Der finstere Wächter aus dem Gromowschen Holzlager zeigte der Lehrerin mit strahlendem Gesicht die Geburt eines Sohnes an. Eine tuberkulöser Textilarbeiter wünschte ihr dafür, daß sie ihm Schreiben und Lesen beigebracht, einen schmucken Bräutigam. Ein Arbeiter, der einer Sekte angehörte und sein ganzes Leben lang Gott gesucht hatte, schrieb voller Befriedigung , er habe erst in der Passionswoche von Rudakow, der auch die Schule besuchte erfahren, daß es Gott gar nicht gibt. [43]

Die Schule diente als Quelle für die Rekrutierung von revolutionären Arbeitern.

Die Arbeiter, die der Organisation angehörten, kamen in die Schule, um sich die einzelnen Leute anzusehen und sich zu merken, wem man zum Zirkel heranziehen oder in die Organisation einführen könne. Für sie waren die Lehrerinnen schon nicht mehr alle gleich. Sie konnten schon ganz gut unterscheiden, welche politische Schulung eine jede hatte. Hatten sie eine Lehrerin als „die ihrige“ anerkannt, so machten sie sich durch irgendeine Äußerung bemerkbar. [44]

Krupskaja sprach leicht mit den Arbeiterschülern bei der Schule und spielte eine zentrale Rolle sowohl bei der Sammlung von Information über Bedingungen in den Betrieben für Verwendung in den Flugblättern des Bundes als auch bei der Organisierung der Verteilung der Flugblätter in den Betrieben.

Um die notwendige Information für seine Flugblätter zu entlocken, fing der Bund an, Fragebögen an einzelne Arbeiter zu verteilen, mit denen Kontakt durch die Lehrerinnen verknüpft worden war. Der Maschinenschlosser Iwan Babuschkin berichtete: „Wir bekamen Listen mit vorbereiteten Fragen, die von uns vorsichtige Beobachtung des Betriebslebens erforderte ... Mein Werkzeugkasten war ständig mit den verschiedensten Notizen vollstopft und ich bemühte mich, um unbeobachtet die Menge der Tagelöhne in unserem Werkstatt niederzuschreiben.“ [45]

Und Lenin schreibt:

Ich erinnere mich lebhaft meines „ersten Versuchs“, den ich nie wiederholen würde. Viele Wochen hindurch befaßte ich mich damit, einen Arbeiter, der mich öfters besuchte, einem „peinlichen Verhör“ über alle möglichen Zustände in der großen Fabrik, in der er arbeitete, zu unterziehen. Es gelang mir zwar, wenn auch mit ungeheurer Mühe, irgendwie eine Beschreibung (nur der einen Fabrik!) zustande zu bringen, aber der Arbeiter sagte mir manches Mal am Schluß der Unterredung lächelnd und sich den Schweiß vom Stirn wischend: „Es fällt mir leichter, eine Extraschicht zu machen, als Ihre Fragen zu beantworten!“ [46]

Die so gewonnene Information wurde redigiert und in der Form von Flugblättern für die Arbeiter der einzelnen Werke aufgearbeitet. Die Flugblätter beschäftigten sich mit konkreten Fragen, die die Arbeiter verstanden.

Lenin verbrachte Monate beim Studium der Arbeitsgesetzgebung, so daß er deutlich die relevanten Gesetze und die in den Betrieben herrschenden Praktiken erklären und die Forderungen formulieren konnte, über die Arbeiter sich bei der Leitung beschweren sollten. Krupskaja schrieb:

Wladimir Iljitsch interessierte sich für jede kleinste Einzelheit, das Einblick in die Lebensweise und die Lebensbedingungen der Arbeiter gewährte. Er suchte sich an Hand der einzelnen Züge ein Gesamtbild vom Leben der Arbeiter zu machen und die Stelle zu entdecken, bei der man ansetzen mußte, um mit revolutionärer Propaganda besser an die Arbeiter heranzukommen. Damals kannten die meisten Intellektuellen die Arbeiter nur wenig. Die Intellektueller besuchten ab und zu die Zirkel und hielten vor den Arbeitern eine Art Vortrag. [47]

Ich weiß noch, wie das Material über die Fabrik Thornton- zusammenkam. Es wurde beschlossen, meinen Schüler Krolikow, einen Aussortierer im Thornton-Betrieb, zu mir kommen zu lassen – Krolikow war schon früher aus Petersburg ausgewiesen worden – und bei ihm nach einer von Wladimir Iljitsch gegebenen Anweisung alle erforderlichen Auskünfte einzuziehen. Krolikow kam in einem eleganten Pelzmantel, den er sich irgendwo geliehen hatte, und brachte ein ganzes Heft voll Informationen mit, die er mündlich noch ergänzte. Die Informationen waren Äußerst wertvoll. Wladimir Iljitsch stürzte sich geradezu darauf. Später ging ich mit Appolinaria Alexandrowna Jakubowa in die Werkswohnungen des Thornton-Betreiebes. Wir hatten uns Kopftücher umgebunden, um uns das Aussehen von Arbeiterinnen zu geben. Wir besuchten sowohl das Quartier der Unverheirateten wie das der Familien. Grauenvolle Verhältnisse!. Nur auf Grund des so gesammelten Materials schrieb Wladimir Iljitsch seine Korrespondenz und Flugblätter. Man muß sich sein Flugblatt an die Arbeiter und Arbeiterinnen des Thornton-Betriebes einmal ansehen. Welch eine bis ins einzelne gehende Kenntnis der Verhältnisse. Und was für eine Schulung war das für alle Genossen, die damals mitarbeiteten! Da lernte man, „auf Kleinigkeiten zu achten“! Und wie tief prägten sich solche Kleinigkeiten dem Bewußtsein ein! [48]

Wie die Agitation in der Praxis zu jenem Zeitpunkt aussah, läßt sich aus Krupskajas Erinnerungen über das Schicksal eines der von Lenin geschriebenen Flugblätter blicken: „Ich weiß noch, daß Wladimir Iljitsch das erste Flugblatt für die Arbeiter des Semjannikow-Werk verfaßte. Technische Mittel hatten wir damals überhaupt noch keine. Das Flugblatt wurde in Druckschrift mit der Hand geschrieben und von Babuschkin verbreitet. Von unseren vier Exemplaren wurden zwei von den Aufseher gefunden, die beiden anderen gingen von Hand zu Hand.“ [49]

Die unmittelbare Auswirkung der vom St. Petersburger Bund – Lenin, Martow und ihren Freunden – durchgeführten industriellen Agitation war ziemlich gering. Ein Historiker beschrieb sie so:

Lenins Erklärung [an die Thornton-Arbeiter] wurde auf dem Mimeograph der Gruppe am 10. November 1895 gedruckt, aber am selben Tag gingen die Weber zurück zur Arbeit, ohne daß sie Zugeständnisse von der Leitung gewonnen hatten. Die stariki [Veteranen – Lenin, Martow usw. – T.C.] scheiterten so bei ihrem ersten Versuch, die Flammen der industriellen Unzufriedenheit anzufachen.

Während der Thornton-Streik immer noch im Verlauf war, brach einen spontanen Streik auch bei der Leferm-Tabakfabrik (am 9. November) aus, und vier Tage später fand noch einen bei der Schuhfabrik Skorochod statt. In den beiden fällen, bereiteten die stariki Erklärungen vor, die sich auf Materien beruhten, die von Arbeitern aus den Streikenden Fabriken durch die Zentrale Arbeitergruppe geliefert wurden, und die die Forderungen der Arbeiter definierten. In keinem der beiden Fälle übten sie einen Einfluß auf den Verlauf der Ereignisse aus, denn beide Streiks dauerten sehr kurz und endeten ohne Zugeständnisse an die Arbeiter. aber die Versuche halfen dabei, Wort über die illegale Organisation zu verbreitern.

Der einzige Streik, den die stariki erfolgreich stimulierten, bevor die Polizei sie umzingelten, fand in einer Abteilung des Putilow-Werks statt. Sinowjew, ein Arbeiter bei Putilow und einer seiner Vertreter in der Zentralen Gruppe, schrieb eine Erklärung an die Arbeiter in der Dampfmaschinenabteilung und drängte sie zum Streik. Seine Erklärung wurde mit dem Mimeograph von Martow kopiert und führte zu einem eintägigen Streik am 5. Dezember. Ein Appell von Martow an die Spinner der Kenig-Fabrik verursachte anscheinend kein Ergebnis.

Was wirkliche Errungenschaften betrifft, war das Ergebnis der Appells und der Erklärungen, die von den stariki während November und Anfang Dezember ausgegeben wurden, fast gleich Null. [50]

Lenin und fünf andere Mitglieder des Bundes wurden Dezember 1895 verhaftet und mehrere weitere, einschließlich Martow, früh im Neujahr. Aber der Kampf bewies sich nicht als ergebnislos. Einige Monate später fand der erste Massenstreik im eigentlichen Rußland unter der Fahne der Sozialdemokratie statt. Dies war ein Streik der Textilarbeiter im Mai 1896 in St. Petersburg. Die Mitglieder des Bundes, oder eher diejenigen Mitglieder, die nicht verhaftet wurden, spielten eine zentrale Rolle im riesigen Streik. Er fing an als Protest gegen die Nichtbezahlung von Löhnen für den dreitägigen Urlaub, der die Krönung von Nikolai II. feierte. Aber bald entwickelte er zu einem Kampf um kürzere Arbeitsstunden und höhere Löhne und breitete sich auf 20 der größten Fabriken Rußlands mit 30.000 Beschäftigten aus. Die Arbeiter führten den Kampf um den 10˝stündigen Arbeitstag drei Wochen lang fort, und als sie schließlich entschieden, zur Arbeit zurückzukehren, kehrten sie wie ein Mann gleichzeitig bei allen Fabriken zurück. Nicht nur war dies der bislang größte Streik in Rußland, er war auch der erste, der über den Rahmen eines einzelnen Industriewerk hinausging. Und der St. Petersburger Bund spielte eine zentrale rolle dabei. Für das erste Mal in der langen Geschichte der revolutionären Bewegung in Rußland, hatten die Revolutionäre die Massen zum Handeln bewegt. Die Sozialdemokratie wurde zu einer bedeutenden Bewegung.

Wie weit Rußland sich seit Ende 1895 bewegt hatte, läßt sich durch das Lesen eines vertraulichen Briefes vom Finanzministerium an die Fabrikinspektion aus jener Zeit messen: „Glücklicherweise besitzt Rußland nicht eine Arbeiterklasse im gleichen sinne wie im Westen; folglich haben wir kein Arbeiterproblem; noch wird weder der eine noch das andere in Rußland einen Boden finden, der sie produziert“! [51]

 

 

Niederlage im Sieg

Der Erfolg der Bewegung führte jedoch zu einer gravierenden inneren Krise. Die sozialdemokratische Bewegung fing an, sich in eine „ökonomistische“ und eine „politische“ Strömung zu spalten. Die Korrektur der Einseitigkeit der kruschkowschtschina – eine Überbetonung der Theorie – führte zu seinem ebenso einseitigen Gegenteil, dem „Ökonomismus“. Diese Gefahr war schon in Ob Agitatsij innewohnend, wie Lenin und andere im nachhinein 1898 merkten. man muß sich an der von Ob Agitatsij erreichten Schlußfolgerung erinnern,:

Die Aufgabe der Sozialdemokraten besteht in der ständigen Agitation unter Fabrikarbeitern auf der Basis ihrer alltäglichen Bedürfnisse und Forderungen. Der durch diese Agitation provozierte Kampf wird die Arbeiter dazu ausbilden, ihre eigenen Interessen zu verteidigen, ihre Mut erhöhen, ihnen das Selbstbewußtsein über ihre eigenen Kräfte und ein Bewußtsein über die Notwendigkeit der Einheit geben und letzten Endes schließlich sie mit wichtigeren Fragen konfrontieren, die eine Lösung erfordern. Vorbereitet in dieser Weise auf einem ernsterem Kampf wird die Arbeiterklasse sich zur Lösung seiner grundsätzlichsten Fragen weiterbewegen.

Diese Formulierung eröffnete die Tür zur Etappentheorie, die die künftigen „Ökonomisten“ kennzeichnete. Sozialisten sollten ihre Agitation auf rein ökonomischen Fragen beschränken, zuerst im Werk, dann mit Forderungen aus dem zwischenwerklichen Bereich und so fort. Zweitens würden die Arbeiter aus der engen ökonomischen Agitation durch die Erfahrung des Kampfes selbst die Notwendigkeit der Politik lernen, ohne die Notwendigkeit, daß Sozialisten Agitation über allgemeine politische und soziale Fragen durchführen müßten, die vor dem russischen Volk als Ganzes stünden. Dies Verhaftung von Lenin, Martow und anderen beschleunigte den Ruck zum „Ökonomismus“ im St. Petersburger Bund. Die neuen Genossen, die der Gruppe beitraten, hatten weniger theoretische Bildung.

„Alles ging für die Agitation drauf“, schrieb Krupskaja, „an Propaganda war nicht zu denken ... Der Streik der 30.000 Petersburger Weber stand unter dem Einfluß der Sozialdemokraten und stieg vielen zu Kopf ...[sie] gerieten dadurch auf den Weg des berüchtigten ‚Ökonomismus‘.“ [52]

Im politischen Testament des altgedienten Menschewiks F.I. Dan, das etwa fünfzig Jahre später geschrieben wurde, wurde der Aufstieg der „ökonomistischen“ Tendenz folgendermaßen erklärt:

Als sie mitfühlend auf die politischen Töne reagierten, die aus der ökonomischen Agitation des Bundes tönten, akzeptierten Zehntausende von Arbeitern, die zum ersten Mal in den aktiven organisatorischen Kampf eingezogen wurden, nichtsdestoweniger die politische Befreiung bloß als ferne „End“ziel ihrer Bewegung. Für sie bestand das „unmittelbare“ praktische Ziel in denjenigen ökonomischen Forderungen, in deren Namen sie bereit waren, einen Streik und die mögliche Verlust des Lohns zu wagen. In dieser Hinsicht unterschied sich die Laune der neuen Schicht der fortgeschrittenen Arbeiter, der neuen „Arbeiterintelligenz, grundsätzlich von der Laune nicht nur der marxistischen Intelligenz, sondern auch der ersten Generation der sozialdemokratischen Arbeiter, die zur Sozialdemokratie nicht durch den „praktischen“ Weg des ökonomischen Kampfs gekommen war, sondern durch Drehern „ideologischen“ Weg der Propaganda in kleinen Gruppen. [53]

Ein Historiker dieser Periode der russischen Sozialdemokratie stelle die „Ökonomisten“ in die richtige Perspektive, als er sagte:

Die Wurzeln des Ökonomismus sind am besten in der agitatorischen Methode der sozialdemokratischen Arbeit zu suchen. Die Sozialisten, die diese Methode entwickelten, erkannten die Gleichgültigkeit der Arbeiterbewegung gegenüber der Politik an und hatte vor sie zu überwinden, indem sie die angeblich untrennbare Verbindung zwischen ökonomischen und der politischen Ordnung des Landes zeigten. Während in der Theorie die Agitation politisch war, blieb sie in der Praxis auf Ökonomie beschränkt. Von der Agitation, die aus taktischer Zweckmäßigkeit die Politik in den Hintergrund drängte, war es bloß ein Schritt zum wirklichen Ökonomismus, der die Politik der Ökonomie prinzipiell unterordnete. So entstand der Ökonomismus in Rußland 1896-97 als Folge der entstehenden Massenarbeiterbewegung. [54]

Zusätzlich zur Auswirkung des „Ökonomismus“ und zur darin innewohnenden Drohung gegen den Sozialismus gab es zwei weitere Faktoren, die zu jenem Zeitpunkt eine Wirkung auf die russische Arbeiterbewegung hatten. Einer war die Arbeitspolitik der zaristischen Geheimpolizei. Der andere war der Aufstieg der starken Strömung des Revisionismus, geführt von Eduard Bernstein, in der deutschen Sozialdemokratie, die bei weitem die wichtigste sozialistische Partei in der Welt war.

Die Geheimpolizei hatte die Idee des „Ökonomismus“ als Reaktion auf den aufsteigenden industriellen Kampf in Rußland gern. General Trepow, der Chef der Geheimpolizei, schrieb 1898:

Wenn die kleineren Bedürfnisse und Forderungen der Arbeiter von den Revolutionären für solche tiefgehenden regierungsfeindlichen Ziele ausgebeutet werden, ist es dann nicht die Pflicht der Regierung, diese Waffe, die den Revolutionären so lohnt, aus ihren Händen zu ergreifen und selbst die Erfüllung der Aufgabe zu versichern ... die Polizei ist dazu verpflichtet, sich an derselben Sache zu interessieren als der Revolutionär.

Dieser Logik folgend, wie wir später sehen werden, organisierte Oberst Subatow, der Chef der Moskauer Sicherheitspolizei, Gewerkschaften unter polizeilicher Kontrolle, zuerst unter jüdischen Arbeitern und dann unter den Russen, ein Unternehmen, das in der Organisation von Gewerkschaften in St. Petersburg durch den Pfarrer Gapon ihren Höhepunkt erreichte, was zum „Blutsonntag“ und zum Anfang der 1905er Revolution führte.

Der zweite Faktor, der den Ökonomismus stärkte – der deutsche Revisionismus –, wurde durch die Veröffentlichung im Januar 1899 von Eduard Bernsteins Buch Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie angekündigt. Die zentrale Idee dieses Buchs hieß war die des Gradualismus, der Etappen in der Reform des Kapitalismus, seid in seiner Umwandlung zum Sozialismus zuspitzen sollten. Der Einfluß der Partei, schrieb er, „würde heute viel größer sein, als er ist, wenn die Sozialdemokratie die Mut dazu finden könnte, sich von altmodischer Phraseologie zu befreien und danach zu streben, so zu erscheinen, wie sie tatsächlich ist, eine demokratisch-sozialistische Partei der Reform.“ „Was allgemein als das Endziel des Sozialismus begriffen wird, ist mir nichts, die Bewegung alles.“ Das entsprach perfekt den Ideen der russischen „Ökonomisten“. Für sie auch war „die Bewegung“, im Sinne der Gewinnung kleiner konkreter Verbesserungen in den ökonomischen Bedingungen der Arbeiter, alles. So verschwand das gesamte politische Ziel der Bewegung – vor allem der Sturz des Zarismus.

Die Verbindung zwischen dem „Ökonomismus“ und dem Bernsteinschen Revisionismus wurde konkret in einem Dokument mit dem Titel Credo (1899) ausgedrückt. Seine Verfasserin war J.D. Kuskowa, zu jenem Zeitpunkt Mitglied des Vereins der Russischen Sozialdemokraten im Ausland. Es erklärte offen, das der Bernsteinsche Revisionismus seine theoretische Basis bildete. Das allgemeine Gesetz der Aktivität der Arbeiterklasse, erklärte es, sollte darin bestehen, der „Linie des geringsten Widerstandes“ zu folgen. „Die Linie des geringsten Widerstandes wird bei uns [in Rußland] niemals auf die politische Tätigkeit gerichtet sein. Das unerträgliche politische Joch wird dazu führen, daß viel von ihm gesprochen und gerade auf diese Frage die Aufmerksamkeit konzentriert wird, niemals aber wird es zur praktischen Tat führen.“ Die „Linie des geringsten Widerstandes“ war ökonomische Aktion gegen die Unternehmer und der Versuch, Gewerkschaften zu organisieren.

Schwierig, unendlich schwierig ist auch der ökonomische Kampf, aber er ist möglich und wird schließlich von den Massen selbst praktiziert. Dadurch, daß sich der russische Arbeiter in diesem Kampf an die Organisation gewöhnt und im Kampf alle Augenblicke mit dem politischen Regime zusammenstoßt, wird er schließlich das schaffen, was man eine Form der Arbeiterbewegung nennen kann, wird er die Organisation oder Organisationen schaffen, die den Verhältnissen der russischen Wirklichkeit am meisten entsprechen. Gegenwärtig läßt sich mit Gewißheit sagen, daß sich die russische Arbeiterbewegung noch in einem amöbenartigen Zustand befindet und noch keinerlei Form hervorgebracht hat. Die Streikbewegung, die es bei jeder Organisationsform gibt, kann noch nicht als kristallisierte Form der russischen Bewegung bezeichnet werden, während die illegalen Organisationen schon vom rein quantitativen Standpunkt aus keine Beachtung verdienen (von ihrer Nützlichkeit unter den gegenwärtigen Verhältnissen wollen wir nicht sprechen).

... was kann da der russische Marxist tun?! Das Gerede von einer selbständigen politischen Arbeiterpartei ist nichts anderes als ein Produkt der Übertragung fremder Aufgaben, fremder Resultate auf unseren Boden ...

Es gibt für den russischen Marxisten nur einen Ausweg: Beteiligung am wirtschaftlichen Kampf des Proletariats, d.h. Unterstützung dieses Kampfes, und Beteiligung an der liberal-oppositionellen Tätigkeit. [55]

Daher bestehe die Pflicht der Sozialisten darin, die Arbeiter beim Versuch, Gewerkschaften aufzubauen, und die liberale Bourgeoisie im politischen Kampf zu unterstützen.

Als Lenin in seinem sibirischen Exil ein Exemplar des Credos bekam schrieb er schnell eine Antwort, Ein Protest russischer Sozialdemokraten (August 1899). Der Entwurf wurde bei einem Treffen von 17 Marxisten im Exil in der Region Minusinsk diskutiert und von ihnen angenommen. Er machte Lenin in sozialdemokratischen Zirkeln ziemlich weit bekannt und erreichte ihren Zweck ziemlich gut. Wie Martow Jahre später sagte, einigte er die Hunderte von Exilanten, die überall in Sibirien verstreut waren, um den revolutionären Marxismus. [56]

Die Jahre 1883–99 hatten die ungleichmäßige Entwicklung der russischen Marxisten von einer von der Arbeiterklasse isolierten Propagandasekte zu einer agitatorische Organisation, die sich auf dem unmittelbaren tagtäglichen Kampf der Arbeiter beschränkte, von der reinen Theorie zur engen Praxis. Lenins scharfe Zurechtweisung des Credos machte deutlich, daß eine Synthese der Theorie und der Praxis notwendig sei.

Die berüchtigte Bernsteiniade – in dem sinne, wie sie gewöhnlich vom breiten Publikum im allgemeinen und von den Verfassern des Credo im besonderen aufgefaßt wird – bedeutet den Versuch, die Theorie des Marxismus einzuengen, den Versuch, die revolutionäre Arbeiterpartei in eine Reformpartei zu verwandeln ... [57]

Einerseits wird die Arbeiterbewegung vom Sozialismus losgerissen: man hilft den Arbeitern, den ökonomischen Kampf führen, erklärt ihnen dabei aber überhaupt nicht oder erklärt ihnen ungenügend die sozialistischen Ziele und die politischen Aufgaben der Gesamtbewegung als Ganzes. andererseits wird der Sozialismus von der Arbeiterbewegung losgerissen: abermals beginnen russische Sozialisten immer mehr davon zu sprechen, daß der Kampf gegen die Regierung allein von der Intelligenz mit eigenen Kräften geführt werden müsse, da sich die Arbeiter nur auf den ökonomischen Kampf beschränkten. [58]

Dagegen stellte Lenin die Synthese der ökonomischen und der politischen Kämpfe der Arbeiterklasse, wie von Marxisten verstanden.

Einem Sozialisten dient der ökonomische Kampf als Basis für die Organisierung der Arbeiter zu einer revolutionären Partei, für die Zusammenfassung und Weiterentwicklung ihres Klassenkampfes gegen die ganze kapitalistische Ordnung. Nimmt man jedoch den ökonomischen Kampf als etwas sich selbst Genügendes, so gibt es in ihm nichts Sozialistisches ... Die Aufgabe eines bürgerlichen Politikers ist es, „den ökonomischen Kampf des Proletariats zu fördern“, die Aufgabe eines Sozialisten ist es, dafür zu sorgen, daß der ökonomische Kampf die sozialistische Bewegung fördert und die Erfolge der revolutionären Arbeiterpartei mehrt. Die Aufgabe eines Sozialisten ist es, die unauflösbare Verschmelzung des ökonomischen und des politischen Kampfes zum einheitlichen Klassenkampf der sozialistischen Arbeitermassen zu fördern ...

Die agitatorische Einwirkung auf die Masse muß in breitester, sowohl ökonomischer als auch politischer Agitation bei allen Anlässen und zu allen Erscheinungsformen jeder Art von Unterdrückung bestehen, in einer Agitation, die wir benutzen müssen, um eine immer größere Anzahl von Arbeitern in die Reihen der revolutionären Sozialdemokratischen Partei hineinzuziehen, um den politischen Kampf in allen erdenklichen Erscheinungsformen zu begünstigen, um diesen Kampf aus seinen spontanen Formen hinüberzuleiten in die Form einer einheitlichen politischen Partei. Die Agitation muß somit als Mittel zur weiten Verbreitung des politischen Protestes und höher organisierter Formen des politischen Kampfes dienen. Gegenwärtig ist der Rahmen unserer Agitation zu eng, der Kreis der von ihr berührten Fragen zu begrenzt, und unsere Pflicht ist es, nicht diese Enge zum Gesetz zu erheben, sondern danach zu streben, uns von ihr frei zu machen, danach zu streben, unsere agitatorische Tätigkeit zu vertiefen und zu erweitern. [59]

Lenin deutet darauf hin, daß die historischen Wurzeln des Reformismus in der Einseitigkeit sowohl der krushkowschtschina als auch der Reaktion darauf lägen. „... die russischen Sozialdemokraten haben sich zu Beginn ihrer Tätigkeit allein auf die Propagandaarbeit in Zirkeln beschränkt. als wir zur Agitation unter den Massen übergingen, konnte wir uns nicht immer davor bewahren, ins andere Extrem zu fallen.“ [60] Er deutet weiter darauf hin, daß eine bestimmte organisatorische enge, die sowohl die Etappe der krushkowschtschina als auch die Etappe der industriellen Agitation gekennzeichnet habe, auch den „Ökonomismus“ gefördert habe:

... die Sozialdemokraten, die voneinander isoliert in kleinen lokalen Arbeiterzirkeln [?] wirkten, haben zuwenig beachtet, daß es notwendig ist, eine revolutionäre Partei zu organisieren, die die gesamte Tätigkeit der lokalen Gruppen zusammenfaßt und die Möglichkeit schafft, die revolutionäre Arbeit richtig in Gang zu bringen. Das Überwiegen der zersplitterten Arbeit ist aber naturgemäß mit dem Überwiegen des ökonomischen Kampfes verbunden. [61]

Der Streit [die Auseinandersetzung] zwischen den orthodoxen Marxisten wie Lenin und Martow und den „Ökonomisten“ nahm auch eine organisatorische Form an, die Debatte über Organisation zwischen den Bolschewiki und den Menschewiki vorwegnahm. Zu diesem Zeitpunkt aber waren die Vorkämpfer der beiden künftigen Tendenzen, Lenin und Martow, auf derselben Seite in der Auseinandersetzung.

Nach dem erfolgreichen Streik in St. Petersburg 1896 verlangten viele neugewonnene Mitglieder der Bewegung, Arbeiter sowie Intellektuelle, daß die Organisation sich verschiebe, so daß sie nicht mehr im Kern aus Berufsrevolutionären bestehe. Die „Ökonomisten“ erklärten, daß der politische und höchst konspirative Charakter des Bundes aus der Priorität, die die Intellektuellen der politischen Tätigkeit verliehen, und aus ihrer Mangel an Verständnis für die wirklichen Bedürfnisse der Masse der Arbeiter ergab. In der hauptsächlich agitatorische ökonomische Tätigkeit würde die Notwendigkeit der Konspiration und des Zentralismus viel weniger. Eine „ökonomistische“ Organisation würde im wesentlichen lokal sein, sich mit Problemen befassen, die vor den Arbeitern in einem einzigen Betrieb befassen, oder höchstens in einer Anzahl von Betrieben in einer Örtlichkeit, und daher würde die lose betriebliche und örtliche Organisation der Arbeiter ausreichend sein. Zentralismus gegen Provinzialismus, das war die organisatorische Widerspiegelung der Spaltung zwischen den politischen Revolutionären und den „Ökonomisten“. Im Schema der „Ökonomisten“ würde der Berufsrevolutionär degradiert und durch Arbeiter ersetzt, die ihren Arbeitsplatz und ihre normale lokale Umgebung nicht verlassen müßten.

Viele Zirkelmitglieder haben, wie gesehen, den Übergang zur industriellen Agitation nicht geschafft. Aber von denjenigen, die es geschafft hatten, fielen sehr wenige in den „Ökonomismus“. Gerade die neuen Aktivisten, die aus dem industriellen Kampf selbst, der seinen Höhepunkt im 1896er Textilstreik erreichte hatte, entstanden waren, waren die Hauptgruppe, die erlagen. Die Aussage der menschewistischen Führer Dann, der etwa fünfzig Jahre nach den Ereignissen schrieb, bezieht dies auf die spätere Entwicklung des Bolschewismus und des Menschewismus:

Es lohnt sich zu merken, daß fast alle der Bedeutendsten der Sozialdemokraten von Arbeiterherkunft aus dieser „ersten Musterung“, die überlebten und die Revolutionen von 1905 und 1917 miterlebten, Babuschkin, Schelgunow, Schapowal, Poletajew und andere) in den Reihen der Bolschewiki erschienen, während aus den Reihen der „Arbeiter-Intellektuellen“, die in der Streikbewegung der zweiten Hälfte der 1890er Jahre getauft wurden, die künftigen Kader der legalen und halblegalen Gewerkschaften, der Genossenschaften, der Arbeiterbewegung der kulturellen Aufklärung entstanden, die für eine lange Zeit die Hauptstütze des Menschewismus waren. [62]

 

 

Den Bogen spannen

Die Jahre 1894-96 waren wichtig für Lenins Entwicklung zu einem Arbeiterführer. Um Krupskaja zu zitieren:

Diese Petersburger Periode der Tätigkeit Wladimir Iljitschs war eine Zeit außerordentlich wichtiger Arbeit, obwohl sie nach außen hin wenig in Erscheinung trat. Er selbst hat sie so charakterisiert. Sie brachte keine äußeren Effekte. Es handelte sich nicht um Heldentaten, sondern darum, die enge Verbindung mit den Massen herzustellen, an die Massen heranzukommen. Es galt, die besten Bestrebungen der Massen zum Ausdruck zu bringen. Wir mußten lernen, sie zu verstehen und uns ihnen verständlich zu machen. Es Kam darauf, sie auf unsere Seite zu bringen. Aber gerade während dieses Wirkens in St. Petersburg reifte Wladimir Iljitsch zum Führer der Arbeitermassen heran. [63]

Trotz der Einseitigkeit der Fabrikagitation zu jenem Zeitpunkt, bewertete Lenin diese Periode immer als sehr wichtige und notwendige Etappe in der Entwicklung der russischen Sozialdemokratie. Er war bereit, sowohl ihre fortschrittliche Rolle als auch die darin innewohnenden Gefahren zuzugeben. So sagte er in einem am 9. November 1900 geschriebenen Brief an Plechanow:

Die ökonomistische Richtung war natürlich immer ein Fehler, doch die Richtung ist ja sehr jung, und die Schwärmerei für „ökonomische“ Agitation gab es (und gibt es mancherorts) auch ohne eine Richtung, und sie war eine gesetzmäßige und zwangsläufige Begleiterscheinung eines Schrittes vorwärts unter den Verhältnissen unserer Bewegung, wie sie Ende der achtziger Jahre oder Anfang der neunziger Jahre in Rußland herrschten. diese Verhältnisse waren so niederdrückend, daß Sie sich das wahrscheinlich gar nicht vorstellen können, und man kann nicht Menschen Verurteilen, die sich aus diesen Verhältnissen befreien wollten und dabei gestolpert sind. Dabei war eine gewisse Einseitigkeit notwendig und gesetzmäßig, sie war es; als man sie jedoch zur Theorie erheben und mit dem Bernsteinianertum verbinden wollte, änderte sich die Sache natürlich radikal ... die Schwärmerei für die „ökonomische“ Agitation und für den Dienst an der „Massen“bewegung war natürlich ... [64]

Diese Bereitschaft den Bogen zu weit in eine Richtung zu spannen, dann den Rückwärtsgang einzulegen und den Bogen zu weit in die entgegengesetzte Richtung zu spannen, war ein Merkmal, das, er während seines ganzen Lebens behielt. Sie war schon deutlich sichtbar zu dieser frühen Stufe seiner Entwicklung als revolutionärer Führer.

Bei jeder Etappe des Kampfes suchte Lenin das, was er als Schlüsselglied in der Kette der Entwicklung betrachtete. Er betonte dann wiederholt die Wichtigkeit dieses Glieds, dem alle andere unterordnet werden müßten. Im nachhinein sagte er: „Wir haben es übertrieben. Wir spannten den Bogen zu weit“; wodurch er nicht meinte, daß es ein Fehler war, es so zu machen. Um die Hauptschlacht [den Hauptkampf] des Tages zu gewinnen, war die Konzentration aller Energie auf die Aufgabe notwendig.

Die ungleiche Entwicklung der verschiedenen Seiten des Kampfes machten es notwendig, immer nach dem Schlüsselglied in jeder konkreten Situation zu suchen. Als diese die Notwendigkeit des Studiums, der Legung des Fundaments der ersten marxistischen Zirkel war, betonte Lenin die zentrale Rolle des Studiums. Bei der nächsten Etappe, als es darum ging, die Mentalität des Zirkelwesens zu überwinden, betonte immer und immer wieder die Wichtigkeit der industriellen Agitation. Bei der nächsten Wende des Kampfes, als es darum ging, den „Ökonomismus“ zu zerschlagen, machte Lenin das gewaltig. Er machte immer die Aufgabe des Tages ganz deutlich und wiederholte das Notwendige ohne Ende in den klarsten, schwersten, zielstrebigsten, hammerschlagartigen Erklärungen. Danach gewann er wieder sein Gleichgewicht zurück, entspannte den Bogen und dann spannte er ihn in eine andere Richtung. Wenn die Methode Vorteile bei der Überwindung der aktuellen Hindernisse hat, enthält sie auch Gefahren für diejenigen, die Lenins Schriften über taktische und organisatorische Fragen als Quelle für Zitate benutzen wollen. Autorität durch Zitat ist nirgendwo weniger gerechtfertigt als im Falle Lenin. Wenn man ihn über irgendeine taktische oder organisatorische Frage zitiert, muß man die konkreten Fragen, vor denen die Bewegung zu jenem Zeitpunkt stand, absolut deutlich machen.

Ein anderes Merkmal von Lenin, die schon zu diesem frühen Stufe seiner Entwicklung offensichtlich war, ist eine Haltung gegenüber organisatorischen Formen als etwas, das immer historisch bestimmt ist. Er nahm nie abstrakte, dogmatische Organisationsschemen an und war bereit, die organisatorische Struktur der Partei bei jeder neuen Entwicklung des Kampfes zu ändern. Organisation, davon war er überzeugt, sollte der Politik unterordnet werden. Das bedeutete jedoch nicht, daß sie keinen unabhängigen Einfluß auf die Politik habe. Es gebe ein wechselwirkendes Verhältnis zwischen ihnen. Unter bestimmten Umständen könnte man sogar der Organisation Priorität gewähren.

 

 

Anmerkungen

1. G.W Plechanow, „Der russische Arbeiter in der revolutionären Bewegung“, Sotschinenija, Bd.3, S.131.

2. ebenda, S.143.

3. E. Mendelsohn, „Worker Opposition in the Russian Jewish Socialist Movement: from the 1890s to 1903“, International Review of Social History, 1965.

4. A.K. Wildman, The Making of a Workers’ Revolution: Russian Social Democracy 1891-1903, Chicago 1967, S.31.

5. J. Frankel (Hrsg.), Vladimir Akimov on the Dilemmas of Russian Marxism 1895-1903, London 1969, S.235-6.

6. zit. in Mendelsohn, a.a.O.

7. S.I. Mitskewitsch, Revoljtsionaja Moskwa, Moskau 1940, S.144.

8. Wildman, a.a.O., S.34.

9. ebenda, S.32.

10. ebenda, S.37.

11. L. Martow, Sapiski sotsial-demokrata, Berlin-St. Petersburg-Moskau 1922, S.224-5.

12. ebenda, S.227.

13. G.W. Plechanow, O sadatschi sotsialistow w borbe s golodom w Rossji, Genf 1892, S.58.

14. ebenda, S.79

15. S.N. Walk, „Materialien über die Geschichte des 1. Mai in Rußland“, Krasnaja letopsis, Nr.4, 1922, S.253.

16. W.W. Swiatlowski, Istorija professionalnogo dwischenija w Rossij, Leningrad 1925, S.301.

17. D. Pospielovsky, Russian Police Trade Unions, London 1971, S.7.

18. Ob agitatsij, Genf 1896, S.1.

19. ebenda, S.9.

20. ebenda, S.16.

21. ebenda, S.17.

22. ebenda, S.17-8.

23. L. Martow, Istorija RSDRP, Moskau 1922, S.28.

24. Martow, Sapiski sotsial-demokrata, S.227-32

25. Akimow, a.a.O., S.238.

26. ebenda, S.288.

27. Martow, Sapiski sotsial-demokrata, S.227-32.

28. Akimow, a.a.O., S.214.

29. Martow, Sapiski sotsial-demokrata, S.227-8.

30. A. Woden, „Bei der Morgendämmerung des legalen Marxismus“, Letopis marksisma, Nr.3, 1927, S.80.

31. Wildman, a.a.O., S.166.

32. ebenda, S.164.

33. L. Deich (Hrsg.), Gruppa „Oswoboschdenje Truda“, Bd.6, Moskau 1928, S.174.

34. Perepiska G.W. Plechanowa i P.B. Akselroda, Bd.1, S.166.

35. ebenda, S.32.

36. Deich, a.a.O., S.204-5.

37. ebenda, S.207-8.

38. Lenin, Werke, Bd.2, S.107.

39. ebenda, S.106 u. S.108.

40. ebenda, S.62-3.

41. ebenda, S.77.

42. Nowi mir, Juni 1963.

43. Krupskaja, a.a.O., S.18.

44. ebenda, S.19.

45. Geyer, a.a.O., S.49.

46. Lenin, Werke, Bd.5, S.509.

47. Krupskaja, a.a.O., S.20-1.

48. ebenda, S.27-8.

49. ebenda, S.26.

50. R. Pipes, Social Democracy and the St. Petersburg Labor Movement, 1885-1897, Cambridge (Mass.) 1963, S.93-4.

51. Pokrovsky, a.a.O., Bd.2, S.37.

52. Krupskaya, a.a.O., S.31-2 u. S.22.

53. T. Dan, The Origins of Bolshevism, New York 1964, S.211-2.

54. Pipes, a.a.O., S.124.

55. zit. in Lenin, Werke, Bd.4, S.166-7.

56. Martow, Sapiski sotsial-demokrata, S.410.

57. Lenin, Werke, Bd.4, S.169.

58. ebenda, S.365-6.

59. ebenda, S.287-8.

60. ebenda, S.366.

61. ebenda.

62. Dan, a.a.O., S.212.

63. Krupskaja, a.a.O., S.28-9.

64. Lenin, Werke, Bd.36, S.23-4.

 


Zuletzt aktualisiert am 17.6.2001